Chronik der Pfarrei St. Rupert

 

 
 
 
 

R u p e r t u s k i r c h e

Rupertuskirche aus der Vogelperspektive: Einfach ins Bild klicken

Die dem heiligen Rupert, dem ersten Bischof von Salzburg geweihte Stadtpfarrkirche dominiert   mit ihren beachtlichen Ausmaßen das Stadtbild von Freilassing. Besonders den von Salzburg kommenden Besucher  beeindrucken das mächtige Kirchenschiff und der hohe schlanke Turm,   der mit über 74 Metern die Höhe der Salzburger Domtürme erreicht. Es besteht deshalb zwar kein Anlass, sich mit der Kathedrale der einsäen fürsterzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt messen zu wollen, aber eine weitere Verbindung zur Nachbar- und Patenstadt Salzburg darf  daraus allemal abgelesen werden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Freilassing wegen der starken Bevölkerungszunahme der Bau einer neuen Kirche aktuell. 1903 wurde deshalb unter Pfarrer Rudolf Hermansdorfer ein Kirchenbauverein gegründet, dessen Vorsitz er übernahm. Als Zwischenlösung wurde 1905 eine hölzerne Notkirche aufgestellt. Die Projektierung der neuen Kirche wurde dem Münchener Architekten Johann Baptist Schott übertragen, der damals auch das Zentralschulhaus entworfen hat. Er plante zunächst, die Marienkirche in Salzburghofen zu vergrößern, das heißt nach Osten verlängern, dann, 1908, eine neue Kirche im neubarocken Stil zu bauen und zwar südöstlich des 1909 fertig gestellten Schulhauses. Beide Vorhaben kamen nicht zustande.

1911 verstärkte Pfarrer Heinrich Englmann die Aktivitäten des Kirchenbauvereins. Wie dessen Protokollbuch an erster Stelle berichtet, wurde am 29. Juni die Verteilung der Geschäfte statutengemäß durch schriftliche Abstimmung vorgenommen. Als erster Vorsitzender wurde gewählt Pfarrvorstand Englmann, als zweiter Vorsitzender Schreinermeister Enzinger, als Kassier Kaufmann Leist, als Schriftführer Gastwirt Geisreiter. Weitere Vorstandsmitglieder waren Wirnstl Simon, Hiebl Max, Standl Max, Kreuzeder Lorenz, Hiebl Christian, Kanz Johann und Sperl Franz. Der Verein konnte bis Ende 1918 mehr als 100.000 Mark ansammeln, die allerdings dem guten Zweck nicht zugeführt werden konnten, weil in den folgenden Jahren eine Geldentwertung einsetzte. Dennoch beschloss die Generalversammlung des Kirchenbauvereins unter dem inzwischen neuen Pfarrer Martin Oberndorfer am 10. Mai 1923, dem Fest Christi Himmelfahrt, den Kirchenneubau. Das ist umso bewundernswerter, als in diesem Jahr die Inflation ihren Höhepunkt erreicht und das gesammelte Kapital vernichtet hat. Der schon vorliegende Plan von Architekt Schott wurde aufgegeben, ein neuer Bauplatz gesucht und mit der neuen Planung Professor Adolf Muesmann von der Technischen Hochschule in Dresden beauftragt. Er hatte zu Freilassing einen engen Bezug, da seine Ehefrau die Tochter der hiesigen Apothekerfamilie Dachs war. Das führte so weit, dass Professor Muesmann auf sein Architektenhonorar verzichtete und sich mit dem Ersatz seiner Selbstkosten begnügte. Nachdem ein geeigneter Bauplatz an der Münchener Straße gefunden worden war, erfolgte am 10. März 1924 der erste Spatenstich, und im November konnte bereits das Dach des Langhauses eingedeckt werden. Viele Arbeiten wurden von örtlichen Handwerksmeistern ausgeführt: von Maurermeister Wannersdorfer, Zimmermeister Kredwig, Schlossermeister Gugg und Steinmetzmeister Miedaner. Die Kanzel schuf Schreinermeister Klauber, die Innentüren fertigten die Schreinermeister Hasinger und Feil, und Stühle, Orgelbrüstung sowie Portaltüren sind Arbeiten von Schreinermeister Enzinger.

 

 

 

 

 

Die Fertigstellung des großen Turms erfolgte 1935 unter Baumeister Franz Putzhammer.

Nach zwei Jahren war der Kirchenbau mit Ausnahme des großen Turms vollendet , und am 24. Mai 1926 wurde er von Michael Kardirnal von Faulhaber eingeweiht. Zunächst galt das neue Gotteshaus als Filiale der alten Pfarrkirche in Salzburghofen, sie wurde aber zum 1. Januar 1939 zur Pfarrkirche erhoben. Gleichzeitig erhielt die Pfarrei den neuen Namen Freilassing-Salzburghofen St. Rupert.

 

Dankurkunde von der Rupertuskirche für Hr. Martin Wannersdorfer, der beim Kirchenbau als Baumeister tätig war:

 

Gebäude

Die Rupertuskirche knüpft an Vorbilder heimischer Spätgotik an, nähert jedoch, vor allem im Innern, neuzeitlicher Schlichtheit. Das imposante und weiträumige Langhaus mit offenem Dachstuhl wird beiderseits von einer Reihe von sechs hohen, spitzbogig geöffneten und überwölbten Seitenkapellen gesäumt und im Westen von einer auf Nagelpfeilern aufruhenden Orgelempore abgeschlossen. Die westlichste Kapelle der nördlichen Reihe ist als Taufkapelle größer und quadratisch sowie mit einem Sterngewölbe, ähnlich wie im Presbyterium, versehen. Die Kirche ist 60 Meter lang, 20,5 Meter breit und hat eine Firsthöhe von 29 Metern. Der 74 Meter aufragende Hauptturm wurde aus Kostengründen erst 1935 gebaut.

 

Ausmalung

Der auf einen Blick überschaubare Innenraum der Kirche erfährt seine ausschlaggebende künstlerische Steigerung durch die Ausmalung, die Professor Josef Eberz ausführte. Der damals in München ansässige Kunstmaler hatte schon mehrfach mit Professor Adolf Muesmann zusammengearbeitet. Auch beim Freilassinger Kirchenbau bestand ein enger Kontakt zwischen Architekt und Maler. Das zeigt allein schon die vom Architekten entworfene schlichte Inneneinrichtung der Kirche, die sich ganz der Malerei unterordnet. Es ist deshalb anzunehmen, dass der Bauherr, Pfarrer Martin Oberndorfer, die Anregung, den Kunstmaler Josef Eberz zu berufen, von Professor Adolf Muesmann erhalten hat. Die Wandbilder in der Rupertuskirche beschäftigten den Künstler in mehreren Etappen in den Jahren von 1926 bis 1938. Es handelt sich dabei nicht um Fresken, die auf den frischen oder noch feuchten Putz aufgetragen werden. Eberz schuf diese Bilder vielmehr mit so genannten Keim'schen Mineralfarben und benutzte als Bindemittel Wasserglas, das eine homogene Verbindung mit dem bereits abgebunden Putz gewährleistet.

Der figürlichen Malerei liegt ein einheitliches Programm zu Grunde. Im Chor wird die Verehrung des eucharistischen Heilands dargestellt, am Chorbogen die der Gottesmutter als Patrona Bavariae, in den Kapellen schließt sich der Leidensweg Christi an, in zwei Seitenkapellen werden Heilige der christlichen Nächstenliebe vor Augen gestellt; schließlich wird in der Taufkapelle die Christianisierung unserer Heimat geschildert, und in der gegenüberliegenden Kapelle werden zwei besonders volkstümliche Heilige gezeigt: Judas Thaddäus und Antonius von Padua. Eberz begann 1926 mit der Taufkapelle, über der sich der mächtige Hauptturm erhebt. Das dort geschaffene Bild erstreckt sich über drei Wände mit insgesamt 16 Metern und einer Höhe von 11 Metern. Es zeigt den Kirchenpatron Rupert bei der Taufe der Landbevölkerung  und darüber die Heiligste Dreifaltigkeit. Zu oberst befindet sich die Halbfigur des Weltenschöpfers mit der Weltkugel, darunter Christus als Weltenrichter auf Regenbogen und Wolken sitzend, und zuletzt in Wolken das Symbol des Heiligen Geistes: die Taube.

 

 

 

1929/30 folgte der Altarraum mit einer Darstellung von Christus, Kelch und Hostie darbietend. Er wird von den hl. Severin, Rupert und Korbinian sowie Erentrudis, Elisabeth und Notburga flankiert (die hl. Elisa­beth ist erst 1957 aus der hl. Maria „entstanden"). 1930 schuf Eberz den Chorbogen, der Maria als Patrona Bavariae gewidmet ist. In den Jahren 1931 bis 1934 folgten in den Seitenkapellen die Kreuzwegstationen.

 

 

 

In dieser Zeit schuf Eberz auch das Bild neben dem Kanzelaufgang: den hl. Martin. Der Hintergrund zeigt ein heimatliches Motiv: Kirche und Pfarrhof von Salzburghofen vor dem Untersberg und dem Hohen Göll. 1935 malte Eberz über dem Altar in einer Seitenkapelle im Norden die hl. Franzisca Romana. Auch hier dient ein heimatliches Motiv als Hintergrund: die Freilassinger Rupertuskirche vor dem Gaisberg. Den Abschluss der Arbeiten bildete 1938 gegenüber dem Altar im Norden das Bild des hl. Bruders Konrad, der als Pförtner des St.-Anna-Klosters in Altötting gewirkt hatte und 1934 heilig gesprochen worden war.

Tatsächlich haben die Wandbilder von Josef Eberz nicht nur Zustimmung gefunden.

 

Restaurierungen

Bei den zitierten zeitgenössischen Beurteilungen ist zu berücksichtigen, dass sich die Bilder des Künstlers damals in ihrer ursprünglichen Farbigkeit dargeboten haben und diese Farbigkeit dem heutigen Betrachter vorenthalten wird. Eine 1957 bis 1959 im Einvernehmen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführte Restaurierung hat stark in das Gesamtwerk Eberz' eingegriffen: die in kräftigen Farben gehaltene Wandtönung wurde weißgrau übertüncht und auch der in Rot und Blau gehaltene Anstrich der Holzdecke wurde abgewaschen. Damit    aber nicht genug: es wurden auch Spruchbänder, Engelsdarstellungen und Hintergründe übermalt . Das im Chor befindliche Marienbild wurde in eine hl. Elisabeth verwandelt, da die Kirche noch zwei Marienbilder enthält. Eine weitere Restaurierung fand in den Jahren 1990 und 1991 statt. Es versteht sich von selbst, dass noch so gut gemeinte Eingriffe in ein Kunstwerk umstritten sind und zumeist scharf verurteilt werden.

 

 

Auszüge mit Texten und Bildern aus dem Buch: Josef Eberz, Bau- und raumbezogene Arbeiten, Wandmalereien, Mosaiken, Fenster, Altarbilder

 

Die Kirche

Die Kirche ist ein verhalten expressionistisches Bauwerk mit Anklängen an die Architektur der Spätgotik. Der Architekt Professor Adolf Muesmann (1880 - 1956) lehrte an der Technischen Hochschule in Dresden. Vorher war er Stadtbaumeister in Bremen und Stadtbaurat in Stuttgart und Düsseldorf. Seine Frau stammte aus Freilassing.

Der strenge, langrechteckige Kirchenraum mit offenem Dachstuhl läuft auf einem Triumphbogen aus, an den sich ein niedrigerer Chor mit 3/8-Schluß mit zwei Jochen mit gefaltetem Stern-Kreuz-Gewölbe anschließt. An der Eingangsseite schiebt sich ein mit drei Spitzbögen geöffneter Einbau mit der Orgelempore in den Raum. Seitlich öffnet sich der Kirchenraum in sechs spitzbogig geschlossenen hohen Kapellennischen, in denen schmale Fensterbänder sitzen. Die letzte Nische in der linken Wand - unter dem Glockenturm - ist als Taufkapelle eingerichtet und ohne Fenster. Der den Kirchenraum Betretende steht in einem hellen - ursprünglich stark farbigen – hohen Raum, ohne dass er die das Langhaus erhellenden Fenster sieht. Raumform, Gliederung, Farbigkeit und Bemalung bildeten ein Gesamtkunstwerk, das vom Bauherrn Geistl. Rat Pfarrer Martin Oberndorfer, dem Architekten Prof. Adolf Muesmann und dem Maler Josef Eberz gemeinsam entwickelt wurde. Die Kirche wurde 1924 - 1926 erbaut. Bei der Weihe, die Kardinal Faulhaber am 24. Mai 1926 vollzog, war von den Ausmalungen nur die der Taufkapelle fertig gestellt. Der Turm der Kirche wurde erst 1936, also zehn Jahre nach der Errichtung des Baus aufgeführt.

Die weiteren Ausmalungsarbeiten erstreckten sich bis 1938.

 

Die Werke

Mit dem Vertrag für die Ausmalung der Rupertus-Kirche beginnt für Eberz eine Folge kirchlicher Aufträge, die erst mit seinem Tode 1942 abbricht. Doch keiner seiner Aufträge war so umfangreich und beschäftigte ihn so lange wie der in Freilassing. Eberz beginnt 1926 mit der Taufkapelle und beendet das Werk mit dem Altarbild des Frater Conradus - Bruder Konrad von Altötting - und den Engeln in der Kapelle der Heiligen Judas Thaddeus und Antonius mit dem Schriftband „Laudate deus in sanctis ejus“ - 1938. Dazwischen liegen die Ausmalungen des Chores mit dem Eucharistischen Christus und der ihn anbetenden Heiligen, die Patrona Bavariae auf dem Triumphbogen mit den sie verehrenden Ständen, der großformatige Kreuzweg und eine Reihe von weiteren Altarbildern, dazu Engel mit Spruchbändern und eucharistischen Symbolen. Die Darstellungen entwachsen den Wänden, auf die sie gemalt sind und von denen sie ihre Farbigkeit ableiten bzw. in deren Kontraste sie sich stellen. Raum, Wand und Malerei verschmelzen zu einer Einheit. Leider hat man diese großartige Schöpfung später nicht mehr begriffen. Unter dem Vorwand, die Kirche damit heller zu machen, hat man die Wände einheitlich weiß gestrichen und damit den Zusammenhang von Wand und Malerei zerstört. Um diese Trennung vollständig zu machen, hat man die einzelnen Figuren noch mit einem grauen Band eingefasst.

 

Taufkapelle 1926

In der Taufkapelle wird die Bekehrung und Taufe der Landbevölkerung durch den Heiligen Rupertus dargestellt. Zu der zentralen Taufszene drängen von links und rechts die Taufanwärter heran. Über dem taufenden Bischof Rupertus thront auf Wolkenbändern die Heilige Trinität, flankiert von anbetenden Engeln. Gerahmt wurde diese himmlische Gruppe von geschwungenen Spruchbändern.

Auch die Seitenwände der Taufkapelle waren mit Engelsgruppen und einzelnen Engeln gefüllt, die durch Spruchbänder miteinander verbunden waren. Bei der „Restaurierung“ wurde nicht nur der blaue Wandton übermalt, es wurden auch einige Engel und alle Spruchbänder sowie Wolkenformationen entfernt. Die Horizontlinie der Taufszene wurde verändert und an Figuren der Taufanwärter wurden „Verbesserungen“ vorgenommen.

Zu den Wandbildern in der Taufkapelle haben sich Studien, Skizzen und Durcharbeitungen bis hin zu Kartons erhalten. So zwei liegende Akte als Vorstudien zu fliegenden Engeln Studien zu Engeln, Studie zu kerzentragenden Taufanwärtern, Kopfstudie zu Taufanwärtern und Details aus Kartons zu Engeln und Taufanwärtern.

 

damalige Taufkapelle

 

Chorbereich 1929 - 30

In Chormitte steht der Eucharistische Christus mit Kelch auf einem Stufensockel über einem Schriftband „Ich bin das Brot des Lebens“. Er wird verehrt durch den Heiligen Wanderabt Severin und die Heiligen Bischöfe Rupertus – mit Salzfass - und, kniend, Korbinian - mit dem Bären - zur Linken und durch die Heiligen Ehrentrud, kniend, Elisabeth - mit Brotkorb - und Notburga - mit Sichel - zur Rechten, alle auf dem durch- laufenden Schriftband bezeichnet. Eberz  nannte die zweite Heilige stets Maria, so wird sie auch in dem Kirchenführer von 1936 genannt. Es ist also anzunehmen dass die Umbenennung in St. Elisabeth eine Veränderung der Restaurierungszeit 1957/59 ist, damals wurde auch der Brotkorb hinzugemalt (!). Das heutige Schriftband ist eine nachträgliche Veränderung eines früheren, das allerdings eine ganz andere Schriftart - die an den heute noch vorhandenen ursprünglichen Bändern - hatte. Gelöscht wurde der hellgrüne Wandhintergrund auf dem die Figuren standen sowie der braun- violette Sockel. An den Chorseitenwänden vervollständigen je ein schwebender Engel das Programm. Der zur linken Christi trägt ein Spruchband „Christus regem adoremus qui se manducantibus dat spiritus pinguedinem. Brev. rom. (Lasst uns Christus den König anbeten, der denen, die ihn als Speise genießen, die Fülle des Geistes gibt. Röm. Brevier), der zur Rechten eine mit der Aufschrift „Panem de coelis praestitisti eis omne dedelectamentum in se habentem. Sap.16.20,“ (Du hast ihnen das himmlische Brot gegeben, welches alle Süßigkeit in sich enthält. Buch der Weisheit 16.20).

 

                        damals:                                                                         heute:

 

Triumphbogen mit den Seitenaltar-Retabeln 1930

Thema dieses Wandbildes ist die Verehrung der Madonna als Patrona Bavariae. Über dem Scheitel des Chorbogens steht die gekrönte Mutter Gottes mit dem Kind auf der Mondsichel, flankiert von zwei fliegenden und zwei knienden, anbetenden Engeln. Auf der linken Seite des Chorbogens sind übereinander gestaffelt drei Nonnen, darunter drei Gekrönte.

 

Entwurf der Triumphbogenwand:

 

 

 

Zusammenfassung:

 

Die Eberz´sche Ausmalung – entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn Geistl. Rat Oberndorfer – und das von ihm, insbesondere in Bezug auf die farbige Raumerfassung und die farbige Gliederung der Architekturteile, wesentlich mitgeprägte Raumbild – das dem verhalten moderne Raumgefüge ja erst die expressionistische Note gab – wurden zur Zeit der Durcharbeitung äußerst positiv aufgenommen und kommentiert.

In einer zusammenfassenden Würdigung schreibt Georg Lill in einem Kirchenführer von 1936: „Die Kirche von Freilassing besitzt durch die Überzeugungstreue u. Tatkraft ihres Erbauers, des Geistlichen Rates Oberndorfer, eine für eine Landkirche ganz ungewöhnliche hohe Qualitätsstufe künstlerischer neuzeitlicher Gestaltung. Der Innenraum ist von mächtiger Weite und bei aller Helligkeit doch von schöner Verteilung des Lichtes, was wesentlich durch geschicktes Anbringen u. guten Größenmaßstab der Fenster erreicht wird. Diese vornehme Haltung der Architektur wird durch die farbige Ausstattung gesteigert, ja man darf sagen, dass die Ausmalung von einer überzeugenden u. in sich geschlossenen Einheitlichkeit neuen Stilwollens ist.

Nur 21 Jahre später ist alles vergessen. Der Zusammenhang von Raum, Farbe und Malerei, das Bildprogramm und seine Eigengesetzlichkeiten werden nicht mehr gesehen. Der Raum wird durch den einheitlich grauweißen Anstrich jeder Individualität beraubt, die Ausmalungen werden im Volumen reduziert und werden durch den grauen Beistrich zusätzlich isoliert und zu reinen Applikationen degradiert. Das Gesamtkunstwerk Innenraum Rupertuskirche in Freilassing ist durch „Pflege“ zerstört. Es stellt sich die Frage, ob das so bleiben muss, ja ob es so bleiben darf. Josef Eberz schreibt in einem Brief an den Bauherrn Geistl. Rat Oberndorfer: „Die Rupertuskirche wird ja, wenn sie einmal fertig ist mit mein Hauptlebenswerk sein. Daran ist mir aufrichtig selbst am meisten gelegen.“

Auszüge ENDE

 

 

 

Ausstattung

Die Seitenaltäre — es waren ursprünglich vier an der Zahl — bestehen aus rotem Adneter Marmor. Die Halbfiguren der vier Evangelisten an der Kanzel sowie die Kreuze auf den Nebenaltären sind Werke von Jakob Adlhart. Das große Kruzifix gegenüber der Kanzel schuf der Freilassinger Holzbildhauer Willi Eder. 1978 erhielt die Kirche auf Grund der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils einen Volksaltar. Um den Platz für diese Erneuerung zu schaffen, mussten zwei Altäre, die zu beiden Seiten des großen Chorbogens standen, weichen. Zuvor war schon der ebenfalls aus rotem Adneter Marmor bestehende Hauptaltar entfernt und durch ein Sakramentshaus mit Tabernakel ersetzt worden. Es besteht, ebenso wie der neue Volksaltar und auch der neue Ambo, aus Nagelfluh und orientiert sich damit an den Säulen der Orgelempore und den Umrahmungen der Kirchenportale, die ebenfalls aus diesem Material bestehen. Die Werke gehen auf den Berchtesgadener Bildhauer Hans Richter zurück. Der ferner aus Nagelfluh geschaffene Taufstein ist eine Arbeit von Susanne Polac aus Madrid.

 

 

 

Alte Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Salzburghofen

 

 

 

Die Kirche bildet mit dem unmittelbar nördlich anschließenden Komplex des alten Pfarrhofs eine geschlossene, früher etwa 300 m nördlich außen halb der letzten Häuser des Dorfes Salzburghofen gelegene Baugruppe, die in ihrer Grundanlage noch auf den alten Herzogs- bzw. Königshof zurückgehen dürfte.

 

Durch fortlaufende Vergrößerung des Pfarrfriedhofs - jetzt Friedhof der Stadt Freilassing - ist sie an drei Seiten von ihm umgriffen. Der Bestand der alten Pfarrkirche ist durch die erste Erwähnung eines Pfarrers von Salzburghofen für die Zeit um 1150 bezeugt, doch ist es kaum zweifelhaft, dass das Gotteshaus auf die Kapelle bzw. Kirche der frühmittelalterlichen „curtis publica“, des agilolfingischen Herzogshofs zurückgeht und somit gründungsmäßig ins 8., wenn nicht 7. Jh. zurückreicht. Als Patrozinium wurden früher alle „großen Frauentage“ gefeiert, doch wird schon im ältesten Kalendarium der Pfarrei um 1480 (AEM.) „assumptio gloriosissime virginis Marie“ als Hauptpatrozinium hervorgehoben. Als Nebenpatrozinium erscheint im Spätmittelalter das Fest der hl. Ursula. Das Kirchweihfest wurde ursprünglich am Sonntag vor Ursula begangen; Erzbischof Friedrich lV. von Salzburg (_1441-52) verlegte es – vermutlich im Zusammenhang mit der Neuweihe der Kirche 1440 auf das Fest der Apostel Simon und Judas (28. Okt), die seitdem ebenfalls als Nebenpatrone der Kirche galten. ln der Barockzeit wurde die gotische Madonnenstatue im Hochaltar als Gnadenbild verehrt und dementsprechend gekleidet und gekrönt, doch ließ diese Verehrung nicht eine eigentliche Wallfahrt entstehen, sondern blieb lokal eng begrenzt. 1727 führten die Augustiner von Mülln in der Kirche eine Bruderschaft unter dem Titel Jesu des Guten Hirten ein, die jedoch vom ersten Säkularpfarrer nach dem Abzug der Augustiner, Franz Wernsbacher, 1779 in eine Rosenkranzbruderschaft umgewandelt wurde. - Das Gotteshaus dient, seit es nicht mehr Pfarrkirche ist (1939, als Friedhofs- und viel besuchte Nebenkirche (mit täglichem Gottesdienst).

Baugeschichte. Die Kirche wurde in der Zeit der Spätgotik, wohl in den 30er Jahren des 15. Jh., neu erbaut und im Jahre 1440 konsekriert, vermutlich durch Bischof Dr. Sylvester Phlieger von Chiemsee als Weihbischof von Salzburg (Weiheurkunde in alten Repertorien des Müllner Klosterarchivs und des Pfarrarchivs Salzburghofen erwähnt, heute nicht mehr vorhanden). Diese gotische Kirche - von der noch die Umfassungsmauern einschließlich des Turmunterbaus im heutigen Gotteshaus stecken – war ein mittelgroßen einschiffiger, ganz gewölbter Bau, bestehend aus einem nicht abgesetzten, zweijochigen Presbyterium mit dreiseitigem Schluss und südlich angebauter kleiner Sakristei mit Beinhaus, einem vierjochigen Langhaus sowie starkem Westturm mit Satteldach (wie noch heute an der ehem. Salzburghofener Filialkirche Surheim). In der Kirche stand außer dem Hochaltar von Anfang an auf der Evangelienseite ein der hl. Katharina geweihter Nebenaltar. Um 1470/80 wurde an der Südseite des Langhauses in dessen ganzer Länge eine niedrigere, gleichfalls gewölbte Nebenkapelle mit einem weiteren Altar zu Ehren der hl. Mutter Anna errichtet, der ebenfalls konsekriert worden ist. (Für den Salzburger Bereich typische Anlage, in der urspr. Form z. B. in Grassau erhalten.) Von der gotischen Kirchenausstattung erhielt sich nur die Mittelfigur des Hochaltarschreins (Maria mit Kind) aus der Zeit urn1500.
Zur Zelt der Seelsorge durch die Müllner Augustiner (1672-1773) wurde zunächst die gotische Kircheneinrichtung durch eine barocke ersetzt (Hochaltar 1688, 2 Seitenaltäre 1707/09). 1696 hat man die „wegen ihrer Enge mehr einer Gefängnis gleichende“ Sakristei erweitert. 1715 ersetzte der Zimmermeister Mathias Moser von Saaldorf (* 1.9.1687 Patting, 1713 Meister, † [begr.] 17.10.1764 Saaldorf) den schweren und baufälligen alten Dachstuhl durch einen neuen (dat.1715). 1718 wurde der Kirchturm erhöht und mit einer schlichten, nach Salzburger Art hochstrebenden Zwiebelkuppel versehen; Plan von Michael Kern, domkapitl. Zimmermeister in Salzburg (im Stiftsarchiv Michaelbeuern erhalten), Ausführung durch zwei in Saaldorf ansässige Meister, den Maurermeister Hanns R ein p e r g e r (* 8.10.1648 Hofham, 1680 Meister, † [begr.] 12. 7. 1726 Saaldorf) und den Zimmermeister Mathias M o s e r (s. ob.).
Trotz des leichteren neuen Dachstuhls wichen die Außenmauern der Kirche weiter auseinander, so dass man in den 30er .Jahren des 18.Jh. den Einsturz der Gewölbe befürchtete und der Prior P. Adeodatus Zangerl sich zu einer durchgreifenden Erneuerung des ganzen Gotteshauses entschloss, mit der eine dringend notwendige Erweiterung verbunden wurde. Die Pläne zum Umbau fertigte 1737 Tobias K e n d l e r, Hof- und bürgerl. Maurermeister in Salzburg, der fruchtbarste Kirchenbaumelster Salzburgs im 2. Viertel 18. Jh. (von ihm u. a. die Pfarrkirchen Salzburg-Gnigl 1732/38, Thalgau 1747/49 und St. Georgen b. Oberndorf ab 1749; im Rupertiwinkel das Presbyterium der Pfarrkirche Waging 1723/24 und die Kirchtürme von Johanneshögl 1732/33, Teisendorf 1737/40 und Anger 1739), dem zusammen mit dem domkapitlischen Zimmermeister Michael R a g g i n g e r von Salzburg auch die Bauleitung und -ausführung übertragen war (Baukonsens des Fürsterzbischofs Leopold Ant. Graf Firmian 23. 1. 1739). Bei dem 1739/40 durchgeführten Um- und Erweiterungsbau blieben von der gotischen Kirche nur die Außenmauern, der Dachstuhl über dem Hauptschiff (1715) und der Turm; die bisher auch äußerlich durch eigene Pultverdachung abgesetzte Nebenkapelle und Sakristei an der Südseite wurde durch Erhöhung, Entfernung der trennenden Sakristeiwestmauer sowie Ausbrechung der alten Zwischenmauer zum Kirchenschiff bis auf Freipfeiler zu einem vom Chorschluß bis zur Westwand der Kirche durchlaufenden und in den Kirchenraum integrierten Nebenschiff umgestaltet und an der Nordseite des Presbyteriums eine neue Sakristei erbaut; an die Stelle der gotischen Gewölbe traten sowohl aus Gründen der Statik wie der Kosteneinsparung am Dachstuhl aufgehängte hölzerne und verputzte Scheingewölbe. Der Laufener Tischler Gregor Peischer r setzte Altäre und Kanzel um und lieferte ein neues Kirchengestühl; das Gotteshaus erhielt ein Pflaster aus Adneter Marmor.
Der erste Weltpfarrer nach dem Abzug der Augustiner, Franz Wernspacher, ließ 1775/78 die drei barocken Altäre durch die heutigen, im Übergangsstil vom Spätrokoko zum Klassizismus gehaltenen ersetzen. 1819 folgte die heutige Kanzel und 1839 die erste Orgel (vorher noch keine vorhanden).
Unter dem verdienten Pfarrer Michael lppisch wurde das seit jeher räumlich nur für die Gläubigen der engeren Pfarrei (ohne Saaldorf und Surheim) ausreichende Gotteshaus 1849 nach Plänen der kgl. Bauinspektíon Reichenhall erweitert (Bauausführung Maurermeister Josef A i g n h e r r und Zimmermeister Georg E r n s c h w e n d er, beide von Laufen): Anbau eines zweiten. dem südl. formal gleichenden Nebenschiffs an der Nordseite der Kirche. Erbauung einer neuen, um den Chorschluß umlaufenden Sakristei sowie Veränderung des Turmes (Abbruch der Haube von 1718, geringe Erhöhung des Mauerwerks und Aufbau eines Spitzhelms, dessen Plan von König Ludwig l. von Bayern selbst aus mehreren Entwürfen ausgewählt wurde). Im Zusammenhang damit Ausmalung der Kirche im Zeitstil des romantischen Historismus, Neufassung der Einrichtung und Herstellung eines neuen Gestühls.
1510 Außenrenovíerung unter Leitung von Architekt Johann Schott, München. 1920 Neuausmalung des inneren nach Entwurf von Kunstmaler Josef B r e n d l e, Freilassing. - Letzte umfassende Restaurierung 1963/1965: 1963 Entfeuchtung, Abbruch der Emporen in den Seitenschiffen (1849), Erneuerung des Pflasters; 1965 Außenrenovierung mit Überbauung des alten Dachstuhls (einheitl. Dachneigung statt bisher Steildach über dem Mittelschiff und sehr flacher Neigung über den Seitenschiffen) sowie einfache Neuausmalung im Anschluss an die von 1920 und Neufassung der Einrichtung durch Kirchenmaler Georg G s c h w e n d t n e r, Karlstein, und Franz Nefzger. Freilassing-Surheim, voll. 1967 (hierbei die ursprüngl. nach klassizist. Art weiß und gold gehaltene Altarplastik farbig gefasst).
 

 

Beschreibung. Die schlichte, breitgelagerte Kirche wirkt trotz ihrer drei Bauperioden durchaus einheitlich; formal bestimmend ist der Umbau durch Tobias K e n d l er von 1739/40. Dreischiffige Pieiferhalle mit verbreitertem Mittelschiff (das der gotischen Kirche von 1440 entspricht) und
gering niedrigeren Seitenschiffen; das zweijochige, im Mittelschiff in drei Achteckseiten abschließende Presbyterium vom vierjochigen Langhaus nur durch Verbreiterung des Zwischenpfeilers (ehem. Chorbogen) abgesetzt. Gliederung aus einfachen Pilastern mit Gebälkslücken; im Mittelschiff gestelzte Flachtonne mit Stichkappen, in den Seitenschiffen Kreuz-
gewölbe, überall jochtrennende Quergurte. lm Westjoch des Mitteischiffs verputze Orgelempore. ln den Seitenschiffen sehr große Rundbogenfenster.
Der kargen Schlichtheit der Architektur entspricht - wie fast durchweg bei Salzburger Landkirchen des 18. Jh. - das Fehlen jeglicher Raumdekoration (Stuck, Deckenmalerei). Die heutige einfache dekorative Ausmalung (1920, erneuert 1965) knüpft wegen des Stils der Altäre an frühklassizistische Vorbilder an; die Brustbílder der Apostel über den Mitleischiffsarkaden von Kunstmaler Josef Brendle. Freilassing, 1920.
 

Ausstattung. Nach Salzburger Art setzen die drei Altäre allein den beherrschenden formalen und farblichen Akzent im Raum. Der schöne, aus vielfarbigem Untersberger Marmor gefertigte, frühklassizistische Ho c h a l t a r wurde 1775/76 nach Entwurf. des Hofbauverwalters Wolfgang H a g e n e u e r, des führenden Salzburger Architekten des letzten Drittels des 16. Jh. (* 16. 10.1726 Straß, Gde. Ainring b. Freilassing, † 16. 12. 1801 Salzburg) von dem Steínmetzmeister Joseph D o p p l e r im Himmelreich bei Salzburg geschaffen.

Der frühklassizistische Hochaltar aus Untersberger Marmor wurde von Hofbauverwalter Wolfgang Hagenauer 1775 entworfen. Der Planer war 1726 im Amanhof in Straß geboren worden, wurde in den Hofdienst berufen und stieg zum führenden Architekten seiner Zeit auf. Die Ausführung der Arbeit des Hochaltars lag bei Steinmetzmeister Joseph Doppier aus Himmelreich bei Salzburg, dem Großvater des berühmten Salzburger Physikers Christian Doppler.

ln der Mittelnische Schnitzfígur der Kirchenpatronin, Maria mit dem Jesuskind auf der Mondsichel (darin der zu ihr aufblickende Kopf Adams) stehend, gute spätgotische Arbeit um 1500 (im späten 19. Jh. durch Nazarenerfigur ersetzt und an einen Bauern verschenkt, 1941 von Pfarrer G. R. Westenthanner zurückerworben und von Bildhauer Willi Ed e r, Freilassing, restauriert; von diesem auch die Konsole, die Strahlenglorie und die bekrönende Kartusche). Zwischen den Säulen die Statuen der Apostel Simon und Judas Thaddäus als Nebenpatrone der Kirche, vom früheren Hochaltar von 1688 übernommen, charakteristische Werke des fruchtbaren Tittmoninger Bildhauers Simon H ö g n e r(*18.1O.1634 Tittmoning, 1659 Bürger das., † 25. 6. 1693
das.). Alle übrige figürliche und dekorative Schnitzplastik des Altars 1775/1776, von Martin Plasisganig, Bildhauer und Tischler in Petting (* um 1719 Großgmain [?], seit 1750 in der Pfarrei Petting ansässig, zuerst im „Heißen“-Zuhaus in Brandhofen, dann Besitzer eines Anwesens in Lehen, das noch heute den Hofnamen „Bildhauer“ trägt. † [begr.] 15.3.1792 Petting)

 

Auf den Seitenportalen die bewegten Statuen der Hl. Georg und Florian, am Auszug die Gestalten der 3 göttl. und Liebe, sowie mehrere Englein und hübsche Rocaillevasen. – Ovales Auszugsgemälde: Hl. Anna Selbdritt, von unbekanntem (Salzburger) Maler, 1775/76. - Großer Tabernakel mit reicher Rocailleschnitzerei, 1766 (etwas älter als der Altaraufbau), wahrscheinlich von Johann Georg Izlfeldner, Bildhauer in Tittmoning (*um 1705, 1728 Bürger und Meister in Tittmoning, † 31.8.1790 das.), im späten 19.Jh. verändert (Türflügel statt Drehwinde).

Die beiden gleichgestalteten S e i t e n a l t à r e an der Ostwand der Seitenschiffe entstanden gleichzeitig mit dem Hochaltar um 1775/78, tragen jedoch - auch wegen ihres Materials, marmorierter Holzaufbau – mehr das Gepräge späten Rokokos. Entwurf, Aufbau und gesamte dekorative und figürliche Schnitzerei von Martin P l a s i s g a n i g von Petting (s.ob.); die Schöpfer der nicht von einer Hand stammenden Gemälde unbekannt, die Auszugsbilder etwas älter als die Altäre und anscheinend bei deren Aufstellung anstatt neuer Gemälde eingefügt. - Josefsaltar (nördl.):
Hauptbild Tod des hl. Josef, vom gleichen Maler wie das Auszugsbild des Hochaltars; Oberbild Hl. Elisabeth v. Thüringen mit Bettler, sehr gut, Mitte 18. Jh.; Seitenfiguren Hl.Katharina und Barbara, die Englein mit Zimmermannswerkzeugen als Attribute des hl. Josef. - Kreuzaltar (südl.):Hauptbild Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, wohl erst 1. Hälfte 19. Jh.; Oberbild Hl. Maria Magdalena. vorzügliches Rokokogemälde; Seitenfiguren Hl. Petrus und Paulus.

 
                                                                     

                             

Unter der Empore, im Mittelgang der Taufstein aus Adneter Scheckmarmor, spätgotisch, 15. Jh.; bewegt geformter Holzdeckel von 1746, darauf vorzügl. Statue Johannes des Taufers, wohl von Johann Georg Hitzl, Salzburg (dzt. deponiert). - Am nördl. Chorbogenpfeiler schlichte klassizistische Kanzel, verfertigt 1819 vom Laufener Tischler Johann Hacksteiner; Aufgang vermutlich 1849 zugefügt. - Unter der Kanzel kleiner Grabstein des-Pfarrers Sigmund von Pichl, † 20.8. 1800, von Bildhauer Franz de Paula HitzI, Salzburg (Sohn v. Joh. Georg,* 1738, † 22.1.1819). Am östlichsten Pfeiler der südl. Reihe Grabstein des Pfarrers Joseph Mathias Zehentner, † 19. 7. 1808, vermutlich ebenfalls von F. Hitzl. - Einfaches Gestühl von 1849. Pflaster aus rotem Marmor, im Presbyterium v. 1963, im Langhaus v. 1740. - Barocker K r e u z w e g aus 15 ovalen Stationsbildern, dat. 1735; rest. und wiederaufgehängt 1977. - Auf der Empore Orgel mit großem dreiteiligem Prospekt und Schnitzdekor in spätklassizistischen Formen, 1839, ursprüngl. Werk von Joseph   P r ö b s t l, Füssen, 1969 durch ein neues von Carl S c h u s t e r u. Sohn, München, ersetzt.  

Das Äußere der Kirche wirkt in seiner Nüchternheit wie ein Bauwerk aus der Biedermeierzeit. Ungegliederter, verhältnismäßig niedriger, breit gelagerter Rechteckbau, aus dem an der Ostseite der dreiseitige Chorschluß des Mittelschiffs austritt, um den die niedrige Sakristei mit Pultdach (1849) herumgeführt ist. Die Verdachung des Chorschlusses zeigt noch die ursprüngliche Höhe und Neigung des Mittelschiffdaches vor der Überbauung des Dachstuhls 1985. Einzige Schmuckform am Äußeren ist das großeneubarocke Portal an der Südseite (1910, Entwurf Arch. Johann Schott. München). - Auch der an der Westseite der Kirche stehende kräftige Turm entbehrt jeder gliedernden oder schmückenden Einzelheit. Unterbau bis etwa Dachfirsthöhe spätgotisch, nicht abgesetzter Oberbau mit rundbogigen Schallfenstern von 1718; die obersten 1 1/2 m des aufgehenden Mauerwerks, die Giebeldreiecke und der Spitzhelm von 1849. An der Westseite des Turmes barockes Rundbogenportal aus Tuffstein, geliefert 1718 von Sebastian Stumpfegger, Hotsteinmetz- und –Maurermeister in Salzburg. An der Nordseite großer Grabstein des Pfarrvikars Matthias Küeperger, † 26. 12. 1532, schöne Frührenaissancearbeit aus rotem Marmor. - An der Kirchenwestwand neben dem Turm (als Eckstein an der ursprüngl. Nordwestecke eingefügt) ein 1910 freigelegter römischer Inschrift-Grabstein aus rotem Marmor, den Maurus, Sklave des Juvenis (= edler Jüngling) Matulus, seiner Gattin setzte.

1965 wurden umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt: Erneuerung von Bodenpflaster und Fenstern, Entfeuchtung des Mauerwerks und Ausmalung des Innenraums mit hellen Farben im Geiste des Frühklassizismus durch die heimischen Kirchenmaler Georg Gschwendtner sowie Franz Nefzger. Zuletzt wurde der 1735 geschaffene barocke Kreuzweg mit 15 ovalen Stationsbildern nach einer Restaurierung 1977 wieder aufgehängt.

 

2014 wurde die Kirche vom Dachboden bis in den Innenraum umfangreich renoviert. Diese Renovierungsarbeiten wurden bildlich dokumentiert, und können HIER aufgerufen werden.

 

 

St. Peter in Salzburghofen

P e t e r s k i r c h e

 

 

 

 

Die Peterskirche steht im Dorf Salzburghofen selbst, westlich der nach Laufen - Tittmoning führenden Hauptstraße in einer (von ihr durch eine Reihe kleiner alter Handwerkerhäuser abgetrennten) Wiese, die früher nach Westen und Süden ins offene Land überging. „Capella S. Petri in villa“ oder „St Peters Gotteshaus im Dorf“ wird erstmals 1477 durch eine Stiftungsurkunde des Pfarrers Hans Straußdorfer (PfArch.) erwähnt, gleichzeitig auch im Kalendarium der Pfarrei Salzburghofen um 1480 (AEM.); doch ist ihr Bestand indirekt bereits durch den Wortlaut der Stiftungsurkunde der 2. Salzburghofener Kooperator von 1422 (Pf.Arch.`) bezeugt. Sie dürfte jedoch in genau so frühe Zeit wie die Pfarrkirche zurückreichen. Dass in einem bereits im Frühmittelalter wichtigen Ort (Herzogs- bzw. Königshof!) zwei Kirchen standen, lässt sich gerade im Salzburgischen öfters beobachten; auffallend ist besonders die Parallele zu Chieming, wo sogar Lage im Dorf, Patrozinium und Bedeutung der ehem. 2 Kirchen mit Salzburghofen übereinstimmen (Marienkirche Kirche des Herzogshofs, die abgegangene Peterskirche „Leutkirche“ im Dorf). lm Gotteshaus fanden ursprünglich jährlich nur 2 Ämter statt, das Patrozinium am Fest St. Peter und Paul (29. 6., als einziger regelmäßiger Gottesdienst noch heute gehalten) und das Kirchweihfest am Sonntag vor Christi Himmelfahrt, das 1481 auf Bitten der Kirchengemeinde von Erzbischof Bernhard von Rohr merkwürdigerweise auf den Ostermontag vertagt wurde. Dazu kamen eine vom Erbauer der heutigen Kirche, Pfr. Hans Straußdorfer, 1477 gestiftete Samstag-Wochenmesse sowie später - offenbar als deren Ersatz - 8 Quatember-Wochenmessen. Vom späten 15. Jh. bis 1754 hatte das Gotteshaus eine eigene, von der Pfarrkirche getrennte Kirchenstiftung und Kirchenverwaltung. Baugeschichte. Die bestehende Kirche wurde um 1475 von Pfarrer Hans Straußdorfer von Grund aus neu erbaut und mit dem (einzigen) Altar zwischen 1477 und 1481 von Dr. Georg Altdorfer, Bischof von Chiemsee, als Weihbischof von Salzburg konsekriert (Siegel des Bischofs auf der Reliquienkapsel im Altar, 1970 aufgefunden, jetzt –Pf.Arch.). - Eine Sakristei war 1621 noch nicht vorhanden, die heute bestehende ist vermutlich 1646 erbaut worden. 1687 wurde der aus der Zeit des Kirchenbaus stammende gotische Altarschrein durch den heutigen barocken Aufbau ersetzt. Eine 1754 durch den Maurermeister Wolf R e i n p e r g e r von Saaldorf (Sohn von Hanns R., e. ob., * 10.4.1705 Saaldorf, 1726 Meister, † [begr.] 30. 5. 1762 das.) durchgeführte „Reparation“ brachte die einzigen baulichen Veränderungen an der Kirche: Abschlagung der gotischen Dienste und Gewölberippen und Ersetzung durch flache Pilaster und Gewölbegurte, barocke Veränderung der Fensterform und völlige Erneuerung der Empore. - ln der Zeit während und nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kirche nicht mehr benützt und kam sehr herunter. Pfarrer G. R. Westenthanner ließ sie 1963/65 durchgreifend restaurieren: 1963/54 Instandsetzung und Außenrenovierung, 1965 lnnenrestaurierung durch Georg Gschwendtner, Karlstein, mit Aufdeckung spätgotischer Gewölbemalereien, ferner Entfernung der Kanzel (1818) und der Empore; 1970 Neuaufstellung des restaurierten Altaraufbaus und Errichtung eines neuen Volksaltars unter Verwendung der alten Marmormensa.

 

 

Beschreibung. Kleiner, einheitlich spätgotischer Bau aus der Zeit um 1475, ohne abgetrenntes Presbyterium, bestehend aus 4 1/2 Jochen mit dreiseitigem Chorschluß. im inneren Wandpilaster mit Kapitälen und spätgotisches Netzrippengewölbe („Zweiparallelrippenfiguration"), dessen Rippen abgeschlagen sind, stattdessen barocke Quergurte. lm Westteil der Kirche in Höhe der ehem. Empore noch der gotische Rippenansatz erhalten. Die Mitte der Gewölbeflache ist in ganzer Länge der Kirche mit reicher Freskomalerei aus der Erbauungszeit des Gotteshauses geschmückt (1965 freigelegt).

 

 

Um die Rippenkreuzungen im Gewölbescheitel lappiges Blattwerk mit ornamentalisierten Blüten, um die seitlichen Rippenkreuzungen stärker stilisierte dünne Ranken mit Spiralen. im Chorschluß 5 gerahmte Rundmedaillons mit figürlichen Darstellungen; ln der Mitte Gotteslamm, im Halbkreis umgeben von den 4 Evangelistensymbolen mit Spruchbändern. Farbtöne hauptsächlich Grün, Braunviolett und Englischrot. Schöner Altaraufbau von 1687 in einem für das Salzburger Land typischen, prunkvoll-schweren Barock mit massigen gewundenen Weinlaubsäulen und Schnitzerei aus Knorpelwerk, Blüten und Früchten. höchstwahrscheinlich von Franz L a n g, Tischler in Laufen; erneuerte Fassung in Schwarz und Gold. Gemälde gleichzeitig. Hauptbild: Der Kirchenpatron St. Petrus, dem ein Englein die Tiara aufsetzt, mit Ausblick auf Rom und Szene seines Martyriums, von unbekanntem Meister (1965 nach schweren Beschädigungen rest). Ovales Oberbild: Hl. Paulus in Halbfigur mit Buch und Schwert, in lebhafter Kontrapostbewegung, von himml. Lichtstrahl erleuchtet; hervorragendes Werk, als dessen Schöpfer nur Johann Michael Rottmayr (*11.12.1653 Laufen, 1687/88¬1697 in Salzburg tätig, dann kaiserl. Hofmaler in Wien, † 25.10.1730 Wien) in Frage kommt, der 1688 für die Pfarrei Salzburghofen nachweislich 2 Altarblätter malte (Hi. Florian in Abtsdorf und Hl. Vitus in Moosen, letzteres Bild 1760 verbrannt). - Vor dem Altaraufbau 2 qualitätsvolle spätgotische Schnitzstatuen der Kirchenpatrone St. Petrus und Paulus, Schreinfiguren des gotischen Flügelalters der Kirche, gleichzeitig mit dem Kirchenbau um 1475/80 entstanden. An der Nordwand lebensgroßer, ausdrucksvoller Kruzifixus aus Mitte 18. Jh. (viell. das frühere Chorbogenkreuz der Marienkirche Salzburghofen), darunter einfache Rokoko-Altartumba (frühere Altarverkleidung). Das Äußere der Kirche ist bis auf die barocke Ausrundung der Fenster noch ursprünglich spätgotisch erhalten und von hoher Altertümlichkeit. Ursprünglich unverputzter Tuffquaderbau mit Mörtelverstreichung an den Fugen, jetzt (seit 1754?) verputzt.

 

 

Ausstattung

Der Altar besitzt einen Barockaufbau mit Weinlaubsäulen aus dem Jahr 1687. Das Hauptbild zeigt den Kirchenpatron, dem ein Engel die Papstkrone aufsetzt. Der Maler dieses Werkes ist unbekannt. Dagegen kann das ovale Oberbild am Altar, das den hl. Paulus mit Buch und Schwert darstellt, dem bedeutenden Maler Johann Michael Rottmayr zugeordnet werden, der in Laufen geboren wurde und bis zum kaiserlichen Hofmaler in Wien aufgestiegen ist. Aus der Zeit des Kirchenbaus um stammen zwei Schnitzfiguren der hl. Petrus und Paulus. Bei der Restaurierung um 1965 wurden die nachträglich angebrachte Kanzel sowie die Empore entfernt und zudem ein Volksaltar aufgestellt, um die Vorschriften des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erfüllen.

Seit 17.03.2014 ziert der Kreuzweg von Kunstmaler Josef Brendle den Innenraum der Kirche. Die Kreuzwegstation hingen früher in der Marienkirche, und schlummerten seit dessen Abnahme im alten Pfarrhof von Salzburghofen.

 

 

 

 

 

Nach oben